Branchenblick

17. März 2013

“Art is problem-solving activity”

Ponys
Zirkus Probst, “Die Nr. 1 in Ostdeutschland”.
Pony-Dressur von Alexandra Probst, Gastspiel während der Leipziger Buchmesse

4 Tage Buchmesse, das entspricht im wuchernden Feld der Belletristik einer Unendlichkeit von Szenen, Figuren, Themen, Dialogen, von Schauplätzen, von Witzen, von Sprachfiguren, und – Buch für Buch – Verkaufsargumenten (oder eben nicht). Beim Stöbern und zuhören bei Lesungen komme ich immer öfter zum Schluss, dass Romane heutzutage ausschliesslich aus Standardsätzen bestehen (“xxxx”, sagte er, nachdenklich, die Zigarette in der Hand….), in unendlich vielen und feinen Variationen und Kombinationen, und worauf Autor, Leser, Verleger letztlich hoffen, ist dass aus manchen dieser 200-seitigen Standardsatz-Assemblagen die Magie einer Geschichte, eines Gefühls, einer Vertiefung entstehen kann. Literatur, auf 5 Messehallen verteilt, wird zu einem Feld der Statistik…mein ganz persönliches Angst-Symptom des von vielen Kollegen bestätigten “Branchenblicks”…

Darüber hinwegzukommen helfen (neben dem erstklassigen Zirkus Probst) zum einen die vielen Begegnungen und sozialen Freuden und Abwechslungen des Messelebens. Beim Abendessen in einer höchst gemütlichen und gesprächsfreudigen Salis-Verlag Runde sitze ich 2  Bestseller-AutorInnen gegenüber, sie könnten beinahe schon ein Paar sein, er mit riesiger Retro-Visier-Brille und Koscher essend, sie mit langem Haar und Kirschrotem Mund und vegetarischer Salatplatte, eine Vea-Kaiser-Doppelgängerin, oder ich glaube, sie ist es sogar wirklich. Der beiden Sonderstatus zu ignorieren fällt schwer, ihn anzuerkennen aber auch. Zum Glück trennen uns vorerst noch 3 Meter dunkel-rechteckiger Holztisch, eine seltsame Biertrinker-Bronze und ca. 100,000 verkaufte Bücher.
Am Nachmittag komme ich mit einem Käufer und hoffentlich baldigem Leser von “Sag Ja zu Ö” ins Gespräch, er erzählt mir, in den frühen achtzigern sei in West-Berlin Sonntag Morgen stets der Ö3-Radiowecker ausgestrahlt worden – warum habe ich das nicht früher erfahren?! Und schliesslich kommt auch noch meine Schwester auf die Messe, wodurch es möglich wird, für etwa 5 Minuten, die Messe mit den Augen eines neugierigen Besuchers zu sehen, und sich über das rege Treiben zu freuen. Ein glitzer-auf-weiss “Sag Ja zu Österreich” T-Shirt an eine Dame verkaufen, deren – sehr gut gekleidete – Tochter schnippisch meint, “nach deinem 3-tägigen schweizer Fremdgang?”

Die andere Möglichkeit ist ganz einfach das Genre zu wechseln. Weg von der Belletristik in Halle 5, hin zur Ratgeber-Literatur in Halle 1. Konkrete Tipps, Anweisungen, Ratschläge, verbindliche Anleitungen als Gegenrezept zur Sinnsuche in der Ödnis der Prosa. Mein absoluter Liebling auf dieser Messe, und hiermit auch der endgültige Gewinner meiner Shortlist (14. März) ist dieses Buch:

Beton