Justizanstalt Stein

12. März 2013

Einzigartig: in Krems ist das “Schwerverbrecher”-Gefängnis Stein, vormals ein Kloster, integraler Bestand Teil der Kulturmeile (Literaturhaus, Karikaturmuseum, Donau Uni Krems, Arte-Hotel, Gastronomie…). Gefängnisse sind vermutlich unvermeidlich (früher bekamen die Schwerverbrecher doch noch eine zweite Chance, in Australien), jedoch real und philosophisch für mich eine Betonmauer. Wie wird durch physische Einschränkung des Körpers Gerechtigkeit hergestellt? Welche Strafe wird welcher Verbrechen gerecht, welches Verbrechen welcher Strafe? Hat Vergebung gar keinen Platz, ab einer gewissen Schwere des Vergehens? Wie ist es, in einer Zelle, wen plötzlich die Frühlingsluft durch die Gitterstäbe weht, der Frühling unerreichbar bleibt? Will die Gesellschaft, dass ich das denke, als Verbrechensprävention?

800px-Gefaengnis_in_Stein_04

Vom Hotel zum Literaturhaus entlang der mit Stacheldraht gesäumten Betonmauern gehen, unter den Auge der Scharfschützen, meine Bewegungsfreiheit wird nur noch begreiflich als der Gegenpol von dem, was hinter den Gefängnismauern passiert.

Und ich übernachte heute im selben Stadtviertel wie Joseph Fritzl, der hier nie mehr wieder rauskommen wird; ausser auf einigen Seiten im Roman. Es heisst, die anderen Häftlinge interessierten sich nicht mehr für ihn, einen alten Mann, der nichts mehr auszurichten hat in der Gefängniswelt, der sein Leben absitzt und in den Werkstätten arbeitet. Zum Beispiel werden hier Bierverschlüsse oder Kapseln für Puntigamer verarbeitet oder wiederverwertet, für Stücklohn; man frage Robert Prosser, der einmal an einer Führung durch Stein teilgenommen hat.